Tenside werden heutzutage nicht nur in Herbiziden, sondern in allen Pestizidformulierungen eingesetzt. 1993 lag der weltweite Verbrauch von Tensiden für Pestizide bei rund 230.000 Tonnen, was 3,3 % des gesamten Tensidverbrauchs entsprach. In den USA machten Tenside für Pestizide etwa 6 % des Pestizidmarktes aus. Die Hälfte aller Pestizidformulierungen enthielt 1992 Tenside, die meisten davon in Herbiziden. In China lag der Verbrauch von Tensiden für Pestizide bei rund 40.000 Tonnen, wobei etwa ein Drittel als Emulgatoren diente.
Tenside können schwer handhabbare technische Pflanzenschutzmittel in anwendbare Formulierungen umwandeln. Als Hilfsstoffe in Pflanzenschutzmitteln verbessern sie nicht nur deren Wirksamkeit, sondern reduzieren auch die Dosierung, mindern die Umweltbelastung und bieten erhebliche Vorteile für die landwirtschaftliche Produktion. Da Pflanzenschutzmittel jedoch spezielle Chemikalien mit starker biologischer Aktivität sind und ihre Bekämpfungsziele, zu schützenden Objekte und Umweltbedingungen sehr komplex sind, müssen die Tenside in Pflanzenschutzmitteln entsprechend den Eigenschaften und Merkmalen der technischen Materialien ausgewählt und formuliert werden. Dabei sind auch die Auswirkungen der Tenside selbst auf die Zielorganismen zu berücksichtigen.
Im Folgenden werden die Anwendungsrichtlinien für drei Arten von Tensiden vorgestellt.
Durch die Nutzung der mizellaren Wirkung von Tensiden wird die Löslichkeit schwerlöslicher technischer Materialien in Lösungsmitteln deutlich erhöht; dieser Vorgang wird als Solubilisierung bezeichnet. Tenside mit einem HLB-Wert von 15–18 kann als Lösungsvermittler dienen, die Lösungsfindung erfolgt jedoch erst, wenn die Konzentration des Lösungsvermittlers die kritische Mizellenbildungskonzentration überschreitet. Dann wird der schwerlösliche Wirkstoff durch die lipophilen Gruppen des Lösungsvermittlers in den Mizellen eingeschlossen oder adsorbiert, während die hydrophilen Gruppen im Wasser verbleiben. Dadurch können sich unpolare Wirkstoffe in Wasser lösen.
Dispergiermittel können die Aggregation fester oder flüssiger Partikel in einem Dispersionssystem behindern oder verhindern und deren gleichmäßige Dispersion über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten. Sie adsorbieren an der Öl-Wasser-Grenzfläche oder auf der Oberfläche fester Partikel und bilden eine elektrische Ladung oder eine sterische Barriere um die Partikel. Dies trägt dazu bei, dass Pestizidpartikel während der Formulierung und Lagerung nicht wieder aggregieren. Im Allgemeinen werden anionische Tenside mit mehreren Ringen verwendet, wie beispielsweise Natriumsalze von Alkylnaphthalinsulfonaten, Naphthalinsulfonsäure-Formaldehyd-Kondensate und Lignosulfonate. Im Gegensatz dazu sind polymere Dispergiermittel (wie Natriumpolycarboxylat) aufgrund ihrer Adsorptionseigenschaften sowie ihrer Fähigkeit, dispergierte Partikel zu laden und eine hohe sterische Barriere zu erzeugen, besonders wichtig für die Herstellung wässriger Suspensionen.

Mischformulierungen sind aufgrund ihrer praktischen Handhabung und der Möglichkeit, die korrekte Dosierung verschiedener Pflanzenschutzmittel zu gewährleisten und gleichzeitig die bei herkömmlichen Tankmischungen häufig auftretende Inhomogenität zu vermeiden, bei Anwendern beliebt. Solche Formulierungen sind Suspensionen, die aus einem wasserunlöslichen festen und einem wasserunlöslichen flüssigen Pflanzenschutzmittel mit Wasser als Medium und Tensiden als Hilfsstoffen hergestellt werden und im Allgemeinen als Kombination von SC- und EW-Formulierungen betrachtet werden können. Zu den üblicherweise verwendeten Tensiden gehören Emulgatoren, Dispergiermittel, Verdickungsmittel und andere. Diese Formulierungsart leidet nicht nur unter der für SC- und EW-Formulierungen typischen Ausflockung von Partikeln und Öltröpfchen, sondern erfordert auch die Durchführung verschiedener Kälte- und Wärmelagerungstests unter unterschiedlichsten Bedingungen.
Veröffentlichungsdatum: 09.04.2026
